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Autoren- und Verlagstag mit Colin Hadler & edition keiper

  1. Hallo Bernie, ich freue mich total, dass wir dieses Interview führen können 😊 Auch wenn wir den Lesern wahrscheinlich erklären müssen, warum es zu der neuen VÖ von Colin Hadler kein Autoreninterview gibt dieses Mal. Natürlich haben Colin und ich auch zur VÖ von „Wenn das Feuer ausgeht“ einen Tag zum Buch geplant. Aber da das letzte Interview mit Colin noch nicht ganz so lange her ist, hatte ich die Idee, euch als Verlag zu interviewen. Auf das neue und damit zweite Buch vom Colin kommen wir natürlich noch zu sprechen. Damit die Leser und Leserinnen aber wissen, mit wem ich hier gerade schreibe: Stell dich doch bitte eben vor: Wer bist du, welche Funktion hast du bei euch im Verlag, wer steckt hinter edition keiper und was um alles in der Welt hat euch dazu gebracht, einen solch jungen Autoren zu unterstützen? Ich kenne mich da jetzt nicht so aus, aber einen (damals noch) 16jährigen Jungautoren unter Vertrag zu nehmen, ist schon ne Hausnummer, oder?

Hallo Dana, freu mich auch sehr über dieses Interview! Unser Verlag wurde 2008 von meiner Mutter, Anita Keiper, gegründet. Unter anderem führt sie den Verlag und plant das Buchprogramm, manche Titel lektoriert sie auch selbst, das ist aber aus zeitlichen Ressourcen neben all der anderen Arbeit nicht immer möglich. Daher hat sie ein Lektorinnenteam, das sie dabei unterstützt. Mein Part ist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ich betreue Facebook und die Homepage und kümmere mich um unsere Newsletter und Presseaussendungen. Bei Veranstaltungen moderieren wir gemeinsam. Mein Mann Robert ist der grafische Part des Verlags und kümmert sich bei Lesungen (und sonst eigentlich auch) um alles Technische – etwas, wofür meine Mama und ich kein Händchen haben 😉 … Man muss aber dazu sagen, dass es in einem kleinen Team einfach wichtig ist, dass man flexibel bleibt. Wenn eine dringende Arbeit ansteht, von der jemand anderer auch Ahnung hat, dann macht eben jemand anderer sie. So kommt es regelmäßig vor, dass meine Mama Facebook-Postings macht oder ich Slider für die Homepage in Photoshop bastle, auch wenn Robert da der Berufenere von uns beiden ist. Ja, die Entscheidung, Colin unter Vertrag zu nehmen, war tatsächlich eine Hausnummer, aber die Beweggründe dafür hat meine Mama als Verlegerin kürzlich für unsere neue Verlagsvorschau wunderbar auf den Punkt gebracht, daher würde ich ihre Überlegungen dazu einfach gern zitieren:

„Bereits im ersten Buch hat Colin Hadler dadurch bestochen, dass er sich völlig authentisch, angstfrei und selbstbewusst mitten hinein ins Leben schreibt und Themen aufgreift, die seinem Alter entsprechen, wie Freundschaft, erste Liebe, Schule oder Elternhaus, aber auch solche, die jungen Menschen unter den Nägeln brennen – Mobbing, Cyberkram, etc.

Themen also, die gerne (und üblicherweise) von Nicht-mehr-Jugendlichen für Jugendliche ge- und beschrieben werden. Aber mit Colin Hadler nimmt nun die Jugend ihre Themen selbst in die Hand. Denn wer könnte besser damit umgehen, als sie selber? Junge Menschen haben eine Stimme und haben etwas zu sagen, sie scheuen sich nicht, ihren eigenen Stil und Jargon zu entwickeln, sie sagen – rotzfrech und ernsthaft gleichermaßen –, wie sie leben wollen und was ihnen wichtig ist.

Es lohnt sich, auf die Stimmen unserer Jugend zu hören. Denn das sind die Stimmen, die ihre Altersgenossen zum Lesen bringen…“

  • Euer Slogan heißt ja „Keiper – wo Literatur zuhause ist“ und je mehr ich eurer Internetpräsenz folge, desto mehr leuchtet mir diese Aussage auch ein. Magst du mal aus dem Nähkästchen plaudern, wie deine Mama dazu kam, einen Verlag zu gründen? Seid ihr seit jeher schon so ne richtige Lesefamilie? Oder „musste“ die Familie da einfach mitziehen? 😀 Und wie hat sich eure Präsenz seit der Gründung entwickelt?

Also Bücher und Lesen haben meine Familie begleitet, seit ich denken kann. Meine Mutter kommt aus einem kleinen Dorf am Lande und hatte als Kind kaum Bücher. Heute noch steht ihr allererstes Buch bei ihr im Regal und sie ging nach dem Abitur auch in die Stadt, um Germanistik und Anglistik zu studieren. So lernte sie auch meinen Papa kennen, dessen Kindheit und Jugend in einer Lehrerfamilie auch sehr von Bildung und Lesen geprägt war. Mein Papa wurde später zum Professor für Anglistik an der Universität Graz. Meine Mama arbeitete zunächst lange Zeit im Bildungsbereich, und so inhalierten mein Bruder und ich Bücher im Grunde schon seit unserer Kindheit. Irgendwann beschloss meine Mama, ihre Leidenschaft für Bücher zum Beruf zu machen. Mein Papa stand voll hinter diesem Entschluss und war zeitlebens sehr stolz auf ihr Tun, und er brachte seine Expertise zB in Form von Vorträgen bei Veranstaltungen oder als Lektor mancher Bücher ein. Mein Mann, der zum Zeitpunkt der Verlagsgründung schon versuchte, statt in seinem ursprünglichen Beruf im grafischen Bereich Fuß zu fassen, war auch sofort mit an Bord. Es hat sich sozusagen alles entwickelt und gefügt. Hinter der Entscheidung stand von Anfang an die ganze Familie, da „musste“ niemand mitziehen. Mein Bruder und ich haben ja dennoch „unser Ding“ gemacht, ich bin im Hauptstandbein auch Anglistin und Germanistin und arbeite als Lehrerin an einer Schule, mein Bruder als Produktmanager in einer größeren Firma. Das, was ich gut kann und gerne tue, das bringe ich im Verlag ein, und das macht Spaß. Was unseren Slogan betrifft, so trifft er genau ins Schwarze. Erstens fühlen wir und unsere Gäste sich in unserem Ambiente zuhause, denn unser Veranstaltungsraum mit der großen Bücherwand ähnelt einem riesengroßen Wohnzimmer mit Sofas, vielen kleinen Tischchen und Teppichen. Wir nennen den Raum deshalb auch „Keiper-Literaturwohnzimmer“. Zum zweiten erlaubt es uns unsere Größe – wir bringen derzeit ca. 20-25 Titel pro Jahr – dass wir die Autorinnen und Autoren persönlich und individuell betreuen und begleiten, sodass auch sie das Gefühl haben, mit ihrer Literatur bei uns zuhause zu sein. Das Persönliche, das ist in der heutigen Zeit sicher etwas, das die Menschen schätzen, und so fühlen wir uns einfach durch die positive Resonanz, die wir bekommen, sehr bestärkt in dem, was wir tun und darin, wie wir es tun.

  • Wow, da bekomme ich ja schon extrem positive Feelings beim lesen. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass eure Autoren sich bei euch sehr wohl fühlen. Wie findet ihr euch denn, also ihr als Verlag und die Autoren? Wie viele Manuskripte bekommt ihr so zugeschickt und nach welchen Kriterien nehmt ihr Autoren unter Vertrag?

Also wir finden, dass wir als Verlag sehr nah an der Leserschaft und an den Bedürfnissen des Marktes sind. Denn wir können nicht nur elitäre Titel machen, die sich kaum verkaufen, da wir die Verkaufseinnahmen brauchen – davon finanzieren wir nämlich diesen Verlag. D.h., unsere Programmplanung ist stets eine Gratwanderung, eine gute Mischung und viele Gruppen ansprechend.

Unsere Verlagsräumlichkeiten sind ein Begegnungszentrum – bei unseren Veranstaltungen treffen sich Leser/innen und Autor/innen, kommen ins Gespräch, tauschen sich aus. Wer das möchte und zu nutzen weiß, wird Teil eines großen Literaturnetzwerks, wo man sich auch gegenseitig unterstützt und weitervermittelt.

Wir bekommen durchschnittlich zwei bis fünf Manuskriptanfragen wöchentlich, manchmal auch mehr. Die Kriterien sind einfach: Die Geschichte, die erzählt wird, muss neugierig machen, muss einen Sog entwickeln, und sie muss zeigen, dass sorgfältig gearbeitet wurde. Meine Mutter, die Verlagsleiterin, nimmt es persönlich, wenn man ihr dahingeschluderte Texte schickt, die vor Fehlern nur so strotzen und wo sogar manche Sätze nicht mal fertigformuliert sind. Sie sagt immer, dass sie von den Autor/innen das Beste erwartet, was die zu geben haben – wenn nämlich die Einstellung stimmt, macht es auch Spaß und Freude, mit einem Text weiterzuarbeiten.

  • Das klingt einleuchtend (Ich habe jetzt ein bissl Angst, wenn deine Mutter unser Interview korrigiert 😀 ) Ich hatte ja das großartige Glück, in eurem Herbstheft erwähnt zu werden und habe natürlich das komplette Heft gelesen. Edition Keiper hat ein breitgefächertes Buchprogramm: Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Lyrik, Kulinarisches. Was ich gar nicht finden konnte, waren so „typische“ Liebesromane oder auch Krimis / Thriller. Distanziert ihr euch da bewusst von, um nicht mit der breiten Masse zu gehen?

Also Krimis haben wir schon im Programm, sogar eine Reihe (die „Specht-Krimis“), aber eher solche mit regionaler oder philosophischer Note. Die klassischen hartgesottenen Thriller, wie man sie aus Schweden oder den USA kennt, nehmen wir bewusst nicht ins Programm auf, da meine Mama – zurecht, wie ich finde – die Meinung vertritt, dass man sich nicht mit dem Bösesten des Bösen umgeben und beschäftigen muss, sondern es durchaus Schöneres für den Geist gibt, als Thriller zu verlegen. Was Liebesromane angeht, haben wir die klassischen Strandschnulzen tatsächlich nicht im Programm, Liebesgeschichten aber schon. Doch auch hier darf es mit Anspruch und außergewöhnlichen Handlungssträngen und/oder Themen sein, zB. das Thema Zystische Fibrose in Cornelia Pichlers Roman „Solange es Sara gibt“.

  • Ich finde das ehrlich gesagt richtig sympathisch – Mainstream kann jeder und würde auch nicht wirklich zu eurer Philosophie passen. Und auch „Hinterm Hasen lauert er“ von Colin Hadler ist ja nun kein typisches Jugendbuch im herkömmlichen Sinne. Ich bin immer noch total baff, wie der Colin schreibt und sich auch mit seinem Zielpublikum beschäftigt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Colin und Edition Keiper?

Das ist aber lieb 🙂 und ehrt uns sehr! Ja, Colin schafft es in seinen Romanen und auch wenn er live performt, das Publikum für sich einzunehmen. Er ist selbstbewusst und unbekümmert mit jeder Faser – aber nicht seicht und oberflächlich. Seine Figuren philosophieren über die Themen, die die Jugend heute bewegen, und das sehr tiefsinnig. Colin kam über eine in Österreich und vor allem in der Steiermark sehr berühmte Buchhändlerin zu uns – eine gemeinsame Bekannte, sozusagen. Sie las sein erstes Manuskript und schickte ihn zu meiner Mama, und die teilte ihre Meinung: „Der kann was, und der hat eine Chance verdient!“. Wie bereits erwähnt: Colin schreibt über die Themen seiner Altersgenossen, aber aus deren Sicht, also sehr authentisch, und das ist ein Erfolgsrezept, nicht zuletzt, weil es eigentlich ziemlich selten ist.

  • Ich hatte Colin ja im März 2019 im Interview und wir haben eine echt klasse Zeit gehabt, wenn auch leider nur virtuell. Aber ich werde wohl nie seine erste Nachricht vergessen, ob ich sein Debüt rezensieren würde. Irgendwann komme ich mal nach Österreich – Keine Panik, das ist keine Drohung 😀
    Was ist denn bei euch für 2020 alles so geplant an neuen Veröffentlichungen? Oder ist das ein Geheimnis?^^

Das würde uns aber sehr freuen, dich mal bei uns begrüßen zu dürfen! Der 20. März wäre dafür ein gutes Datum, denn da steigt die große Gulaschlesung als Auftakt ins neue Verlagsjahr, und da präsentieren alle Autorinnen und Autoren in 5-minütigen Kurzlesungen das Jahresprogramm. Zum Abschluss lädt der Verlag auf Gulasch und Veggie-Curry ein. Da ist immer volles Haus und gute Stimmung und man muss sich unbedingt anmelden, und für dich würden wir einen Ehrenplatz reservieren! 😉

Das neue Frühjahrsprogramm ist gerade druckfrisch geliefert worden und auch online zum Blättern bereit:

Es gibt nächstes Jahr einen Schwerpunkt Jugend, mit dem je zweiten Werk von Anna Bartens, Julian Schwarze und Colin Hadler. Dann Neues von den erfahrenen Altliteraten Bernhard Hüttenegger und Manfred Mixner, und der dritte Roman der Slam-Poetin Christine Teichmann. In der mittlerweile im deutschsprachigen Raum sehr renommierten Reihe keiper lyrik kommen ebenfalls zwei neue Bände, darüber hinaus Kurzgeschichten von Werner Schandor und Hedwig Wingler, der Ex-Frau von Alfred Kolleritsch, die übrigens in ihrer Berlin-Zeit mit Peter Handke befreundet war und wirklich spannende Geschichten zu erzählen hat. Zwei Krimis, einer von einem treuen Keiper-Autor und ehemaligen Kriminalinspektor, und der zweite von Martin G. Wanko, der übrigens der Autor des ersten Keiper-Buches im Gründungsjahr war, und zwei ganz starke zeitgeschichtliche Romane von Alexa Wild und Evelyne Lorenz freuen sich auch auf Leserschaft.

  • Gulaschlesung klingt mega, wenn auch irgendwie verstörend 😀 Da habt ihr ja eine Menge vor mit so vielen Neuerscheinungen. Wie steht ihr als Verlag eigentlich zu der Zusammenarbeit mit Buchbloggern? Bekommt ihr häufig Anfragen für Rezensionsexemplare?

Verstörend 😂

Nein, wir und alle, die schon mal da waren, finden es echt mega 👍🏼😁

Auf die Buchblogger-Szene hat uns erst Colin gebracht und wir finden das eine ganz spannende Welt, die irgendwie auch irrsinnig nahe an der Leserschaft dran ist, und somit sind wir ganz happy, dass wir zB mit dir wieder und weiter zusammenarbeiten können. Die Medienlandschaft ist allein aufgrund der Bekanntheit natürlich sehr von den großen Verlagen dominiert und wir merken zunehmend, dass uns diese persönliche und enthusiastische Blogger-Ebene einfach auch persönlich sehr entspricht und daher hoffen wir, dass wir die Besprechungen durch Buchblogger in Zukunft auch ausbauen können. Noch gibt es nicht viele Anfragen, allerdings müssen wir uns auch erst da reinfinden, und es sind auch nicht alle Autoren so umtriebig und für ihr Buch im Einsatz wie Colin. Das macht auch viel aus, wenn es um den Erfolg eines Buches geht, merken wir.

  • Och, an den Anfragen können wir arbeiten, ich hätte da schon das ein oder andere Buch für mich entdeckt bei euch 😀 Aber, wenn du das so schreibst, dann habt ihr mit dem Colin ja einen ganzheitlichen Gewinn macht – Da kommt ja ganz junger Wind rein bei euch 😊 Liebe Bernie, wir nähern uns dem Ende diesen tollen Gespräches und ich danke dir, dass du dir die Zeit für mich und meine Follower genommen hast, trotz fieser Grippe <3 Als vorletzte Frage: Was wünscht ihr euch als Verlag von uns Bloggern? Sollten wir Blogger aktiver werden? Wie können wir euch als Verlag weiterhin unterstützen?

Na gerne, nur herbei mit deinen Anfragen – wir beschicken dich gerne jederzeit! Ich finde es z.B. wunderbar, dass wir jetzt Kontakt mit einigen Buchbloggern haben und es dadurch einfacher wird, besprochen zu werden. Bei großen Zeitungen scheitert es oft schon daran, dass kein persönlicher Kontakt möglich oder erwünscht ist und so ist die direkte persönliche Schiene mit euch erstens zwischenmenschlich fein und zweitens auch sehr effizient. Wenn ihr weiterhin ein offenes Ohr für unsere Bücher habt, sind wir ganz glücklich! 😊

  • Das sind ja fast schon schöne Abschlussworte <3 Ich freue mich auch sehr über unsere Zusammenarbeit! Unser Interview ist nun aber leider schon vorbei. Bevor ich dich aber endgültig entlasse, verrate mir doch bitte noch mal ein paar Fun Facts über euch, die keiner denken würde 😊
  • Bernadette las für die Kampagne „Lesen immer und überall“ schon mal in einer Biomülltonne.
  • Wir mussten einen Titel einstampfen, weil wir am Cover einen Buchstaben vom Namen des Autors vergessen haben.
  • Jemand hat uns Geld zur Manuskriptrücksendung geschickt, weil er draufgekommen ist, wie schlecht sein Text ist und den eh keiner lesen wird.
  • Im ersten Winter am neuen Standort mussten wir mit Mänteln und Pulswärmern am Schreibtisch sitzen #keinefunktionierendeheizung
  • 😀 Sehr geil 😀 Wir sind am Ende angekommen. Liebe Bernie, ich danke dir für deine Zeit und das du uns einen Einblick in das Leben eines Verlages gegeben hast.